Praktische Beziehungstipps für eine langfristige Partnerschaft

Bist du auf der Suche nach wirkungsvollen Beziehungstipps? Der Alltag ist die härteste Prüfung für jede Partnerschaft. Während Höhen, Tiefen und Krisensituationen Paare häufig näher zusammenbringen, lassen Stress und Eintönigkeit des Alltags die Gefühle eher abstumpfen und viel zu oft in den Hintergrund rücken. Schaffe wieder Freiräume und ein bisschen Erholung für eure Liebe durch diese fundierten Beziehungstipps!

Liebe und Langzeitbeziehungen

Die meisten Paare nehmen sich im Alltag zu wenig bewusste Zeit für ihre Liebe und müssen irgendwann zu ihrem großen Bedauern feststellen, dass die Flamme erloschen ist. Langzeitbeziehungen haben es im stark durchgetakteten Alltag besonders schwer. Mehr als 40 Prozent der Ehen in Deutschland werden wieder geschieden. Was für die Ewigkeit gedacht war, zerbricht häufig schon nach wenigen Jahren. Dabei sind es meist nicht die großen Krisen wie ein Seitensprung, eine schwere Erkrankung, finanzielle Probleme oder ein anderer Schicksalsschlag, die eine Beziehung zerbrechen lassen. Es sind die kleinen Dinge, die die gemeinsame Zeit so wertvoll machen und die uns im Alltag doch immer wieder verloren gehen, weil wir sie für selbstverständlich halten und nicht gut genug auf sie achtgeben.

Beziehungstipps aus dem Ehelabor

Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus den USA hat in einer Langzeitstudie herauszufinden versucht, woran so viele Langzeitbeziehungen tatsächlich scheitern. Das Team um den Psychologen und Mathematiker John Gottman [1]John M. Gottman: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, Ullstein-Verlag, Berlin; TB 5. Auflage 2017, der auch als Einstein der Liebe bekannt ist, hat an der Universität Washington in einem eigens dafür als Pension eingerichteten Labor [2]The Gottman Institute: A research-based approach to relationships einhundert Paare über mehrere Jahre hinweg begleitet. Im so genannten „Ehelabor“, dem Love Lab, wurden die Probanden immer wieder zu zentralen Punkten in ihrer Beziehung befragt und in ihrer Kommunikation beobachtet.

Dabei kristallisierte sich eine Problematik heraus, der den Wissenschaftlern zufolge die häufigste Ursache dafür ist, dass Paare, die schon lange zusammen sind, sich schließlich trennen: Missachtung. Was die Wissenschaftler zu Beginn ihrer Langzeitstudie selbst nicht besonders stark in den Fokus des Interesses rückten, wurde schnell bei einer überwältigenden Mehrheit der befragten Paare als Problem thematisiert. Missachtung, so die Wissenschaftler, werde deshalb für viele Paare früher oder später zu einem Trennungsgrund, weil sie den ganz ursprünglichen Wunsch aller Menschen nach Vertrauen, Aufmerksamkeit und Nähe verletzt.

Gottman selbst, im Herzen Mathematiker, fasste seine Forschungsergebnisse später in mathematischen Gleichungen, den so genannten „Nichtlinearen Differenzialgleichungen“ zusammen und entwickelte die noch heute in der Paartherapie angewandte Gottman-Konstante. Diese mathematische Formel besagt, dass innerhalb einer Beziehung fünf positive Reaktionen auf den Partner erforderlich sind, um eine negative zu kompensieren (Formel 5:1).

Deshalb sind Achtsamkeit und Bewusstsein füreinander in der Partnerschaft ebenso wertvoll wie gegenseitige Anziehung und Kommunikation. Wer dem Partner gegenüber auch nach vielen Jahren noch offen und zugewandt bleibt und seinen Bedürfnissen mit Respekt und ehrlichem Interesse begegnet, hat gute Chancen, auch nach vielen Jahren noch in einer glücklichen und gesunden Beziehung zu leben.

Alltagstrott und Routine als Gefahr für die Beziehung

Da hat man ihn endlich gefunden, den Partner fürs Leben, der das Herz höherschlagen lässt, und dann hat man praktisch keine Zeit, um die Liebe zu genießen. Unser Alltag ist zu schnelllebig, zu voll, zu fremdbestimmt. Paarzeit ist meist spärlich gesät. Besonders stark betroffen sind Paare, die beruflich sehr engagiert und zusätzlich Eltern von kleinen Kindern sind. Im Alter zwischen 25 und 45 Jahren ist der Druck, allem gerecht zu werden, besonders hoch. Psychologen nennen diese Zeitspanne auch die Rush-Hour des Lebens. Mehr als ein durchorganisierter Alltag mit Übergaberitualen und einem Hang zum Minimalismus bleibt da selten.

Dabei kann die Liebe in einer Beziehung nur dauerhaft erhalten bleiben, wenn Paare auch noch Zeit für sich haben und ihre Gefühle füreinander leben und pflegen dürfen. Bleibt für innige gemeinsame Momente zu wenig Zeit, wird die Liebe vom Alltagstrott erstickt. Wie weit der Verfall schon vorangeschritten ist, erkennen vor allem Langzeitpaare meist erst spät. Die Routine hat sie schleichend und unbemerkt zu Geschäftspartnern im Unternehmen Alltag werden lassen und so die Paarebene durch eine Teamebene ersetzt.

Das bedeutet nicht, dass Routinen in Beziehungen grundsätzlich ein Zeichen für ein Erlöschen der Liebe sind. Früher oder später kommen viele Paare an den Punkt, an dem aus Verliebtheit entweder eine tiefere Liebe wird, oder sich die Wege wieder trennen, weil man feststellt, dass die Gemeinsamkeiten nicht ausreichen für eine dauerhafte Partnerschaft. Der Übergang vom Verliebtsein zur Liebe wird von Langzeitpaaren grundsätzlich als sehr angenehm empfunden, denn es stellt sich eine tiefe Vertrauensebene ein, die dem Wunsch des Menschen nach Sicherheit und Geborgenheit entspricht. Die in Berlin praktizierende Psychologin Miriam Junge [3]Dipl.-Psychologin Miriam Junge: Ich + Ich = Wir: Tipps für das Gelingen eurer Partnerschaft, Februar 2017 erklärt die Veränderung folgendermaßen:

„In einer langjährigen Beziehung vertrauen sich beide Menschen und geben dieses Vertrauen eventuell an ihre Kinder weiter. Die Beziehung lebt davon, die besonderen ‚Macken‘ des anderen zu kennen. Es ist nicht notwendig zu hinterfragen, was der Partner braucht und sich wünscht. Man vertraut sich blind. Der Wochenendeinkauf im Supermarkt oder das Gefühl, sich vor dem Partner in Jogginghose präsentieren zu können, symbolisiert ein starkes Zeichen von Vertrauen.“ [4]https://www.tagesspiegel.de

Routinen innerhalb der Partnerschaft sind also wohltuend, weil sie Vertrauen und Geborgenheit schaffen. Wir fühlen uns wohl, wenn wir ein Zuhause im anderen gefunden haben. Wichtig ist dabei nur, dass wir einander nicht als selbstverständlich nehmen und uns auch nach vielen gemeinsamen Jahren noch Mühe geben und für unsere Liebe den Raum schaffen, der ihr gebührt.

Beziehungstipps, die funktionieren

Du wünschst dir, dass deine Liebe ein Leben lang hält und du auch noch nach vielen Jahren in einer Partnerschaft lebst, die von gegenseitiger Achtsamkeit geprägt ist. Dafür kannst du jeden Tag etwas tun. Gib eurer Liebe Raum und achte darauf, dass sie im Alltag nicht die Bedeutung verliert und in den Hintergrund gerät. Mit diesen kleinen Denkanstößen kann es gelingen, auch im hektischen Alltag als Paar füreinander da zu sein:

Oasen der Ruhe und Zweisamkeit schaffen

Hand aufs Herz, im Alltag rauschen wir doch oft nur aneinander vorbei und leben nebeneinander her. Umso wichtiger ist es, euch regelmäßig kleine Oasen füreinander zu schaffen. Und das bedeutet, raus aus dem Alltag, damit die Liebe wieder in den Fokus rücken kann. Gönnt euch zum Beispiel ein romantisches Wellness-Wochenende, in dem ihr gemeinsam zur Ruhe kommen und euch wieder auf das Wesentliche besinnen könnt.

Durch Aufmerksamkeit die Liebe wiederfinden

Dein Partner ist der Mensch, mit dem du dein Leben teilst. Das hat nur Bedeutung, wenn ihr auch wirklich am Leben des anderen teilhabt und ihn an eurem Leben teilhaben lasst. Aufmerksamkeit ist gerade in einem hektischen Alltag ein großes Geschenk und ein Zeichen von Wertschätzung, das gar nicht hoch genug in Ehren gehalten werden kann. Hört einander zu und gönnt euch täglich einen ruhigen Moment zum Austausch eurer Gedanken und Gefühle, und zwar ohne Smartphone, Fernsehen und sozialen Medien.

Es gibt inspirierende Paarspiele mit denen man echte Verbundenheit schaffen kann.

Respekt und Achtung in der Beziehung

In jeder Beziehung gibt es Höhen und Tiefen und auch ein Streit gehört bei vielen Paaren dazu. Wichtig ist allerdings, dass du deinem Partner immer mit Respekt begegnest und auch darauf achtest, dass dir der nötige Respekt entgegengebracht wird. Lass dich auch im Streit nicht zu Gemeinheiten hinreißen, Worte können zerstörerisch sein und lassen sich nicht mehr zurücknehmen. Lese hierzu auch unseren Fachartikel zum Thema Konflikte lösen.

Der wichtigste Beziehungstipp: Selbstreflexion erlernen und die Botschaften des Partners erkennen

Selbstreflexion ist ein Schlüssel zu einer guten Beziehung. Im Beziehungsleben ist man ein großes Stück weiter, wenn man anerkennt, dass das Außen eine Widerspiegelung der eigenen innerlichen Befindlichkeiten ist. Oft ist es so, dass der Partner ein Gegenstück zu einem selbst ist: Wo die eigenen „Themen“ gelagert sind, bewegt sich der Partner sehr oft im anderen Extrem. Wenn nun zum Beispiel eine Frau sehr stark in der Thematik der „Unterwürfigkeit“ verhaftet ist und ihr Mann in der „Tyrannei“, kann es bei Nichtauflösung der Themen zu äußerst problematischen Beziehungsmustern kommen. Lese hier unseren Artikel zum Thema Glück im eigenen Leben finden.

Beziehungen, die aus dem Herzen geschlossen wurden, sind ein wunderbares, immer perfektes Umfeld, um die eigenen Themen zu bearbeiten. Wenn ich dies erkenne und auch annehme, dass mein Partner eigentlich mein Lehrer ist, befinde ich mich schon auf dem richtigen Weg. Diese Einstellung zu einer Beziehung ist der Gegenpol zum Trend der „Lebensabschnittspartnerschaft“.

„Der Mensch in der westlichen Welt tendiert dazu, sich nicht verändern zu wollen, lieber zu konsumieren als zu lernen. Natürlich kann dieser Lebensstil auf Dauer nicht glücklich machen – er ist ein kurzlebiges Vergnügen, welches viel Schmerz zu einem selbst zurückkommen lässt.“ [5]„Befreie dich selbst! Über die Kunst eines erfüllten Lebens“, Matthias A. Exl, MBA, Mankau Verlag, 2008

Folglich ist es wichtig, in einer Beziehung die eigenen Gemütszustände zu hinterfragen:

  • Was ist die Ursache meiner Emotionen?
  • Wiederholen sich meine Emotionen? Kenne ich diese aus früheren Beziehungen?
  • Was spiegelt mir mein Partner wider?
  • Wann empfinde ich Ablehnung oder Angst?

Durch die Beantwortung dieser Fragen lege ich den Fokus auf mich und meine inneren Bedürfnisse. Dies bereitet den Weg für eine positive Veränderung meines Verhaltens. Dies wiederum schafft Raum für Neues und lässt eine Beziehung in ungeahnter Weise erblühen.

Auf den Moment achten und im Hier und Jetzt leben

Wenn du dir die Formel 5:1 von John Gottman vor Augen führst, wird dir bewusst, wie wichtig jeder kleine Moment sein kann. Eine unbedachte Reaktion deinem Partner gegenüber kann ein negatives Gefühl hinterlassen, das sich erst durch fünf positive Reaktionen und damit einhergehende Gefühle wieder ausgleichen lässt. Und was ist, wenn in der Zwischenzeit noch mehr schlechte Gefühle hinzukommen, weil du in der Hektik des Alltags unbedacht reagierst? Dann wird die Bilanz immer unausgeglichener und irgendwann leidet die Beziehung darunter. Also achte darauf, wie du mit deinem Partner umgehst, jeden Tag und jeden Augenblick.

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Weiterführende Informationen:

  • Wikipedia Artikel zu Karl Wolf Biermann (* 15. November 1936 in Hamburg), einem deutschen Lyriker. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Biermann (Stand 19. Oktober 2014)
  • Wikipedia Artikel zu Reinhold Niebuhr (* 21. Juni 1892 in Wright City, Missouri; † 1. Juni 1971 in Stockbridge, Massachusetts), US-amerikanischer Theologe, Philosoph und Politikwissenschaftler. Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Niebuhr (Stand 19. Oktober 2014)
  • Tania Konnerth (2014). Einführung in das Thema Veränderung. Online im Internet: http://www.zeitzuleben.de/2189-einfuhrung-in-das-thema-veranderung/ (Stand 19. Oktober 2014)
  • Dominik Borde (2014). Warum positive Veränderung den meisten Menschen schwer fällt. Online im Internet: http://www.sozialdynamik.at/coaching/du-selbst/warum-positive-veranderung-den-meisten-menschen-schwerfallt#sthash.s1JA5L1K.dpbs (Stand 19. Oktober 2014)
  • Prof. Dr. Ulrich Mees: Liebe und Verliebtsein. In: Einblicke. Forschungsmagazin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Bildquellen

  • Sandra und Matthias Exl: Geza

References

References
1 John M. Gottman: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe, Ullstein-Verlag, Berlin; TB 5. Auflage 2017
2 The Gottman Institute: A research-based approach to relationships
3 Dipl.-Psychologin Miriam Junge: Ich + Ich = Wir: Tipps für das Gelingen eurer Partnerschaft, Februar 2017
4 https://www.tagesspiegel.de
5 „Befreie dich selbst! Über die Kunst eines erfüllten Lebens“, Matthias A. Exl, MBA, Mankau Verlag, 2008